Vor Kurzem habe ich von meiner Chefin geträumt. Schon eine Woche zuvor war in einem Traum ein Techniker aufgetaucht, der am selben Ort arbeitet, und nun sie – wie belustigend. Als ich einer Arbeitskollegin davon erzählte, meinte sie: „Für mich wäre das ein eindeutiges Zeichen, dass es Zeit ist, eine neue Stelle zu suchen.“.
Ich glaube nicht wirklich an Zeichen und schon gar nicht an deren Eindeutigkeit, und auch ordnete ich dem Traum nicht dieselbe Bedeutung zu, und doch frage ich mich manchmal, ob ich nicht reif für einen Wechsel wäre.
Denn manchmal, da holt mich mein Service-Ich auch im Privaten ein. Und das ist nicht immer angenehm. Zum Beispiel, wenn ich das doofe Lächeln nicht mehr wegbekomme. Oder wenn ich beim Essen bei Freunden immer wieder nachfrage, ob sie gern noch ein Glas (manchmal auch „einen Schluck“ oder „ein wenig“) Rotwein hätten. Erschreckend war auch der Moment, da ich zu Hause Besteck polieren wollte – Sauberkeit in Ehren, aber irgendwo hört’s dann auf.
Als sei dem nicht genug, ging es heute noch eine Stufe weiter.
Nämlich, es ist so: Ich mag meinen Job ganz gut, immer wieder Abwechslung, aber manchmal ist es nervig und stressig und mühsam. Um mir die Tage tortzdem angenehm werden zu lassen habe ich begonnen, mir Lieblingsmenschen zu suchen. Jedes Mal auf’s Neue.
Der Lieblingsmensch ist in vielerlei Hinsicht variabel; er ist immer ein Gast, manchmal etwas älter, manchmal etwas jünger als ich, gefällt mir (äusserlich), und ist immer männlich. Diese Kriterien haben meine Beobachtungen ergeben, die sind nicht von mir gestellt. Ich suche sie mir auch nicht aus, meine Lieblingsmenschen, das geschieht einfach.
Je nachdem, wie anstrengend der Tag ist, wieviel Kontakt ich mit dem besagten Menschen habe und wie toll er ist, bedeutet er mir mehr oder weniger, jedoch bedeutet sein Abgang immer Bedauern.
Lässt sich einmal kein Lieblingsmensch finden, hat das unterschiedliche Folgen: kann sein, dass es mir völlig egal ist. Wenn ich jedoch müde bin und/oder schlechte Laune habe, dann kann das die fatale Folge der Lustlosigkeit haben. Das ist dann anstrengend (für mich wie auch für meine Mitarbeiter). Aber man hofft auf neue Anlässe.
Und gestern, an der Geburtstagsparty meiner Schwester in ihrer WG, da habe ich bemerkt, dass ich mir einen Lieblingsmenschen gefunden hatte.
Ich bemerkte es, als er gegangen war, als die Tür hinter ihm ins Schloss viel, und er war nicht mehr da. Der Abend war gelaufen.
Ich weiss nicht, was mich mehr bekümmert: dass er weg war, oder, dass ich mir nun auch ausserhalb der Dienststunden Lieblingsmenschen machte.
Vielleicht wäre es langsam an der Zeit, zu heiraten und Kinder zu kriegen. Oder zumindest neue Arbeit zu suchen.
Ob er gerne Crème und Zucker hätte, hat meine Kollegin den Gast gefragt, und er hat geantwortet: "Schwarz! Das soll ja bekanntlich schön machen." Ich stand mit dem Rücken zu ihm und habe gesagt: "Kalt. Kalter Kaffe soll schön machen, nicht schwarzer. Regen und kalter Kaffe." Sprüche bezüglich sonniger Kindheit oder "Aber aufpassen, dass es nicht kitschig wird!" habe ich mir verkniffen. Obwohl's mir auf der Zunge gelegen hätte.
Freitag, 26. Juni 2009
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