Hier gibt es so viele Leute, dass man meinen könnte, man falle gar nicht auf. Aber zumindest den Nachbarn bin ich bereits ein Begriff, zumal an unserer Strasse Leute wohnen, die sich anscheinend nie mehr als 20 Meter davon entfernen, und somit all ihre Aufmerksamkeit auf diese Umgebung richte. Und dann habe ich auch immer mit den Leuten vom Markt geredet, von ihnen Bilder gemacht und von der Schweiz erzählt, und von meiner Schule hier. Aber irgendwie mochte ich den Gedanken, immer bei ihnen einzukaufen, doch nicht. Die Cumuluskarte macht das zwar auch, alles wissen was man so kauft, aber ist doch unpersönlicher und weniger intim, wenn es nicht das direkte Gegenüber ist, sondern einfach ein Plastikding. Es ist immerhin ziemlich viel private Information, was man so alles isst. Deshalb (und, weil sie halt wirklich nicht alles haben) habe ich begonnen, im Supermarkt an der grossen Strasse einzukaufen. Ich fühle mich zwar jedes Mal ein wenig schuldig, wenn ich mit den Plasitksäcken am Minimarket vorbeigehe, aber sei’s drum. Vielleicht haben sie deshalb schlecht über mich geredet, nach dem Einbruch.
Nach der Rückkehr von meiner dreiwöchigen Türkeitour musste ich nämlich erfahren, dass der Wohungsbesitzer reklamiert hatte. Er sei unter anderem nicht erfreut zu hören, dass ab und zu auch Männer bei uns übernachtet hätten, und sein Unmut kam daher, dass die Leute vom Quartier angeblich nicht gerade schmeichelhaft über uns geredet hatten. Dabei hatte ich geglaubt, gut mit ihnen klar zu kommen. Aber anscheinend hatte der kriminelle Zwischenfall alle verunsichert und aufgeregt, und sie wollten halt gern einen Schuldigen haben, weshalb etwas derartiges in ihrem sicheren kleinen Quartier geschehen war, wo doch seit 20 Jahren nichts passiert sei.
Trotzdem, kein Grund, uns anzuschwärzen, und so beschloss ich, von nun an mich von ihnen fern zu halten, und so wurde ich zur Stammkunding des Hippermarkets weiter oben, der, wie eine kleine Migros eingerichtet, mehr Anonymität verspricht.
Jedoch musste ich heute feststellen, dass ich auch da anscheinend einen überdurchschnittlichen Bekanntheitsgrad erreicht habe. Ich dachte immer, sofern ich mich nicht wie ein abgefreakter Punk kleide und mir die Haare nicht färbe, würde ich nirgends auffallen, aber vielleicht hätte ich zur Unscheinbarkeit genau das tun sollen – also das Haarefärben, nicht das Punkkleiden. Denn trotz allem ist man als halbwegs Blonde schon eine Ausnahme. Zudem bin ich schon mehrmals kurz vor Ladenschluss noch reingerannt, und spätestens seitdem ich nach Zahnstochern gefragt habe und aus Wortmangel mimische Darstellungen präsentierte, lächelt der Kassierer immer wissend, wenn ich eintrete.
Aber, es stört mich nicht. Eigentlich ist es sogar sehr nett, erkannt zu werden. Und mit dem Mann vom Minimarket bin ich ebenfalls auf dem Friedenspfad, er hat mir letztin sogar wieder Tee angeboten, und ich ihm Chräbeli.
Neues Jahr, neues Glück – und teils auch zum alten zurück.
Regen und kalter Kaffee
Ob er gerne Crème und Zucker hätte, hat meine Kollegin den Gast gefragt, und er hat geantwortet: "Schwarz! Das soll ja bekanntlich schön machen." Ich stand mit dem Rücken zu ihm und habe gesagt: "Kalt. Kalter Kaffe soll schön machen, nicht schwarzer. Regen und kalter Kaffe." Sprüche bezüglich sonniger Kindheit oder "Aber aufpassen, dass es nicht kitschig wird!" habe ich mir verkniffen. Obwohl's mir auf der Zunge gelegen hätte.
Freitag, 1. Januar 2010
Donnerstag, 17. Dezember 2009
Wegsein und Weggehen

Ich erinnere mich daran, wie ich letzen Sommer, vor meiner Abreise, gedacht hatte: Du gehst nach Istanbul, und dann wirst du wahrscheinlich auch ein wenig herumreisen, so am Wochenende.
Dann bin ich hergekommen, und das Fernste, wohin ich gereist bin, sind die Prinzeninseln eine Stunde Bootsfahrt vom Zentrum. Istanbul nimmt dich und lässt dich nicht mehr gehen, so fühlt es sich an. Es gibt sicherlich eine Menge toller Orte in der Türkei, aber wieso da hingehen, wenn man in Istanbul sein kann?
Aber ein wenig ein schlechtes Gewissen hatte ich schon, und so kam es, dass wir beschlossen, vor all den Polizisten zu flüchten* und für ein paar Tage das Weite zu suchen.
Wir warfen dann den Plan Canakkale/Troja – Izmir/Efesos spontan über den Haufen und brachen Richtung Ankara auf. Wenn schon denn schon.
In der Türkei reisen ist ziemlich einfach. Manchmal gibt es Züge, aber die sind angeblich ziemlich langsam und nicht so toll. Dann gibt es Busse, hierbei kann man zwischen unzähligen Unternehmen auswählen, sind alle etwa ähnlich gut. Im Preis inklusive sind:
- Fahrt von A nach B
- Shuttlebus vom Busbahnhof in B zum Zentrum
- immer wieder: gruusige Guezli
- Getränke
- Stopps in Busbahnhöfen, um neue Gäste eizuladen (und aufs Klo zu rennen, aber jemand sollte beim Bus bleiben und sicherstellen, dass er nicht abfährt)

- ein Halt im unternehmenseigenen Restaurant (bei langen Fahrten)
- immer wieder: Feuchttüchlis
Und, so haben wir das gemacht, es gibt die Variante Autostopp. Obwohl uns alle gross anschauten, als wir davon erzählten, und fragten, wo wir denn starten könnten. Die Antwort fiel in den meisten Fällen etwa so aus: Tut das nicht! Das ist gefährlich! Nein! Ich sage dir nicht, wo ihr starten könnt, es ist zu schlimm, ich meine in Deutschland ist es vielleicht unangenehm, aber HIER, das ist was GANZ ANDERES!! Auch wenn ihr 100 Frauen wärt – viiiiiel zu gefährlich! Und dann erzählen sie die Geschichte von der Italienerin, die von Istanbul nach Ankara trampte und ermordet wurde.
Nun ja, wahrscheinlich haben sie Recht und man muss aufpassen, aber so klug waren wir zuvor schon. Und nach 3 Wochen Otostopp kann ich sagen: wenn man ein wenig sensibel ist, passiert nichts als gute Dinge. Die hier einbegriffenen Services sind:
- Fahrt von A nach B
- in B wird man zur Haustüre/zum gewünschten Ort gebracht
- Zigis (ausnahmslos immer)
- Getränke
- Stopps für Fotos oder Abstecher zu besonderen Orten am Weg
- Essen, spätestens an der nächsten Tankstelle (manchmal sogar im fahrereigenen Haus)

- eine Visitenkarte des Fahrers mit der Bitte, anzurufen, wenn etwas nicht klappen sollte / man generell Probleme hat / es gewährlich wird usw.
Obwohl ich Feuchttüchlis sehr gern habe legten wir die meisten Strecken per Hichhiking zurück, aber aufgrund von Punkt 5 und 6 wurde es manchmal etwas spät, un da wir nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr Stöpplen wollten, waren wir ein paar Mal dazu gezwungen, für die letzte Strecke auf die Busse umzusteigen, was aber auch ging, da wir dann einfacher die Preise runterfeilschen konnten (wer will schon 3 arme Studis in der Nacht draussen stehen lassen!).
Unserer Erfahrung nach sind die Türken also ein wahrlich gastfreundliches, liebenswürdiges Volk. Ich glaube, in der Schweiz zu stöpplen wäre gefährlicher, weil man wahrscheinlich erfroren ist bis endlich jemand anhält, und der will einen dann doch nicht ins frisch gestaubsaugte Auto lassen. Oder vielleicht täusche ich mich auch, genau so wie sich die Türken vor ihren eigenen Landsgenossen fürchten. Wenn ich heim komme, werde ich das bei Gelegenheit überprüfen.

* die Einbruchsgeschichte hatte nämlich nicht aufgehört, Fortsetzungen à la Jela muss allein mit dem nur türkischsprachigen Polizisten reden weil Efsun weg ist, eine lustige Episode für sich, die ich evtl später mal
Samstag, 21. November 2009
Jela und die Polizei – erneut
Es war ein ganz normaler Abend, als ich letzten Donnerstag um halb 10 in die für einmal leere Wohnung nach Hause kam. Ich war sehr müde und legte mich für eine halbe Stunde hin, dann rief mich Marcela an und ich machte mich parat, sie auf einen çay zu treffen. Alles ganz normal, bis ich etwas Geld aus meiner Reserve nehmen wollte und festestellen musste, dass kein Geld da war. Etwas verwirrt schaute ich um mich und bemerkte, dass das Zimmer doch zugegebener Massen unordentlicher war als normal. Es war ein ziemliches Puff. Ich ging ins Wohnzimmer und erblickte aufgerissene Schubladen.
Um ca halb 12 Uhr kam dann ein adretter Polizist, der sich die Geschichte anhörte, nickte, nickte, meine Mitbewohnerin fragte, wieso sie ihr Geld denn nicht zur Bank gebracht hätte, von seiner Frau im Osten des Landes erzählte und uns einen Zettel da liess, der ziemlich schlecht kopiert dafür schön unterschrieben war. Dann ging er wieder, mit der Anordnung an uns, nichts anzufassen.
Eine Stunde später traf die Spurensicherung ein, drei weniger hübsche Männer dafür ohne Uniform, die sich Plastik über ihre Schuhe stülpten und fachmännisch in der Wohnung herumstanden. Nach erneuter Schilderung der Situation und Erklärungen, wer die zwei Ausländerinnen denn seien*, packte einer von ihnen auch seinen Koffer aus und pinselte schwarzes Puder an den Fensterrahmen. Leider war er nicht ganz so gut wie CSI Las Vegas und so fanden er auch keine Abdrücke, nachdem ich dreimal meinen Daumen auf verschiedene Stellen gepresst hatte, dafür bewunderte er meine aufgehängten Fotografien und erzählte mir etwa drei Mal, dass er seit Kurzem englisch lerne.

Efsun fuhr dann mit auf’s Revier, und weil sie ja so nett sind, chauffierten sie sie auch wieder nach Hause, und der Boss war sogar so aufmerksam, sie bis zur Wohnungstür zu begleiten. Dort allerdings bat er darum, mit mir sprechen zu dürfen, und er ging voraus in mein Zimmer, schloss die Türe, und fragte mich im Flüsterton, ob wir vielleicht Freunde sein könnten. Das Ganze erschien mir so absurd, dass ich mir das Lachen kaum verkneifen konnte, und ich entschied mich dafür, ihn verstandnislos anzublicken (fiel mir nicht so schwer), und lächelnd-zweifelnd-fragend den Kopf zu schütteln. Manchmal frage ich mich ja schon ein wenig, was eigentlich los ist mit den Männern hier.
Zumindest haben wir jetzt einen wunderschönen Rapport, in dem Marcela und ich vertauscht sind, was aber auch nichts macht, denn wir sind nicht einmal mit Nachnamen oder Nationalität aufgeführt, und im Falle weiterer kriminellen Zwischenfälle haben wir auch gleich die Natelnummern der Profis. Wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob ich dann genau diese Herren anrufen möchte.
* sehr gerne wollte ich ihnen meine Residency Permit zeigen, aber leider haben sie nicht danach gefragt, was vielleicht auch gut war, denn ich habe festgestellt, dass darin meine Adresse falsch gedruckt ist, und ich es eigentlich nicht darauf ankommen lassen möchte, deswegen einen Änderungsantrag stellen zu müssen.
Um ca halb 12 Uhr kam dann ein adretter Polizist, der sich die Geschichte anhörte, nickte, nickte, meine Mitbewohnerin fragte, wieso sie ihr Geld denn nicht zur Bank gebracht hätte, von seiner Frau im Osten des Landes erzählte und uns einen Zettel da liess, der ziemlich schlecht kopiert dafür schön unterschrieben war. Dann ging er wieder, mit der Anordnung an uns, nichts anzufassen.
Eine Stunde später traf die Spurensicherung ein, drei weniger hübsche Männer dafür ohne Uniform, die sich Plastik über ihre Schuhe stülpten und fachmännisch in der Wohnung herumstanden. Nach erneuter Schilderung der Situation und Erklärungen, wer die zwei Ausländerinnen denn seien*, packte einer von ihnen auch seinen Koffer aus und pinselte schwarzes Puder an den Fensterrahmen. Leider war er nicht ganz so gut wie CSI Las Vegas und so fanden er auch keine Abdrücke, nachdem ich dreimal meinen Daumen auf verschiedene Stellen gepresst hatte, dafür bewunderte er meine aufgehängten Fotografien und erzählte mir etwa drei Mal, dass er seit Kurzem englisch lerne.

Efsun fuhr dann mit auf’s Revier, und weil sie ja so nett sind, chauffierten sie sie auch wieder nach Hause, und der Boss war sogar so aufmerksam, sie bis zur Wohnungstür zu begleiten. Dort allerdings bat er darum, mit mir sprechen zu dürfen, und er ging voraus in mein Zimmer, schloss die Türe, und fragte mich im Flüsterton, ob wir vielleicht Freunde sein könnten. Das Ganze erschien mir so absurd, dass ich mir das Lachen kaum verkneifen konnte, und ich entschied mich dafür, ihn verstandnislos anzublicken (fiel mir nicht so schwer), und lächelnd-zweifelnd-fragend den Kopf zu schütteln. Manchmal frage ich mich ja schon ein wenig, was eigentlich los ist mit den Männern hier.
Zumindest haben wir jetzt einen wunderschönen Rapport, in dem Marcela und ich vertauscht sind, was aber auch nichts macht, denn wir sind nicht einmal mit Nachnamen oder Nationalität aufgeführt, und im Falle weiterer kriminellen Zwischenfälle haben wir auch gleich die Natelnummern der Profis. Wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob ich dann genau diese Herren anrufen möchte.
* sehr gerne wollte ich ihnen meine Residency Permit zeigen, aber leider haben sie nicht danach gefragt, was vielleicht auch gut war, denn ich habe festgestellt, dass darin meine Adresse falsch gedruckt ist, und ich es eigentlich nicht darauf ankommen lassen möchte, deswegen einen Änderungsantrag stellen zu müssen.
Donnerstag, 19. November 2009
Eine kleine Anekdote von den Strassen İstanbuls
Zwei junge Frauen, eine Italienerin und eine Chilenin, gehen abends (ca. 22.00 Uhr) der Strasse entlang. Ein Polizeiwagen hält neben ihnen. Fenster runter.
Polizist: "..." (sagt etwas auf Türkisch, wahrscheinlich: Nereye gidiyorsunuz?)
Chilenin: "Eh? We don't speak Turkish."
Polizist: "Where are you going?"
Chilenin: "Home."
Polizist: "Where do you live?"
Chilenin: "In my home."
Polizist (zeigt auf die Italienerin): "And she?"
Chilenin: "She's ERASMUS."
Polizist: "Ok."
Polizist 2: "We are polis."
Chilenin: "Ok."
Italienerin und Chilenin gehen nach Hause.
Und die Polizisten? -
Polizist: "..." (sagt etwas auf Türkisch, wahrscheinlich: Nereye gidiyorsunuz?)
Chilenin: "Eh? We don't speak Turkish."
Polizist: "Where are you going?"
Chilenin: "Home."
Polizist: "Where do you live?"
Chilenin: "In my home."
Polizist (zeigt auf die Italienerin): "And she?"
Chilenin: "She's ERASMUS."
Polizist: "Ok."
Polizist 2: "We are polis."
Chilenin: "Ok."
Italienerin und Chilenin gehen nach Hause.
Und die Polizisten? -
Mittwoch, 18. November 2009
Probleme und Lösungen
Manchmal kommt es mir vor, als würde jemand ein einer Zentrale sitzen und Probleme koordinieren. Seit unser Internet funktioniert, ist nämlich die Waschmaschine kaputt. Zu schlechte Luftzirkulation im Bad. Jetzt haben wir also einen wunderschönen neuen Tisch im Wohnzimmer und können die Tür zur Toilette nicht mehr schliessen, weil die Wasserleitung da durchgezogen ist. Die mit dem Abwasser führt in einen Behälter, der neben der Maschine steht, denn es gibt keinen Anschluss dafür; als das alles noch im Badezimmer war, haben wir diesen Schlauch jeweils in die Toilette gehängt, aber wir mussten beim ersten Versuch feststellen, dass es den bei längerer Distanz rausfätzt, und seither riecht es schön nach Waschmittel.
Zumindest habe ich seit gestern den Residency Permit; ich glaube fast es ist schwieriger, den zu bekommen als den Schweizer Pass. Als ich wie aufgefordert montags wieder antrabte durfte ich nälmich erneut warten (welch Überraschung!), weil die Polizisten grad Pause machten, und das machen sie da alle gemeinsam, weil’s sozialer ist. Diesmal lief sogar ein Fernseher im Wartesalon, und ich durfte ein wunderschönes Werbevideo über die Türkei anschauen, in dem eine britische Reporterin voller Entzückung Brot backte und den Grossen Bazar erkundete. Dann stürzten sich alle Ausländer auf die eintretenden Angestellten und drückten ihnen ihre Belege in die Hand, und wir warteten erneut gespannt, wie Name um Name aufgerufen wurde und wir eintreten konnten, um das kleine blaue Büchlein entgegen zu nehmen. Als sich die Schar aufgelöst hatte, hörte ich endlich von drinnen „Daniela!“, und bekam meinen Beleg zurück mit den Worten Hasler gibt’s nicht. Aha. Morgen wiederkommen. Aha. Ich hatte schon das Gefühl, dass sie meinen Namen falsch registriert hatten, wie das bei meiner Buskarte passiert war (kein Wunder, dass sie unter D nichts fanden, wenn sie mich als Zaniela eingetragen hatten!), aber was sollte ich schon tun – ich kam morgen wieder. Und wahrscheinlich hatte mein hässiges und vor allem müdes und frustiriertes Gesicht am Vortag Eindrücke hinterlassen und diesmal kam ich auch schwups dran, obwohl etwa 20 Pers vor mir ihren Fötzel eingereicht hatten. Ha!
Und das Beste daran: die Genehmigung ist gültig bis Oktober 2010. Vielleicht kann ich sie ja im Januar auf Ebay versteigern.
Zumindest habe ich seit gestern den Residency Permit; ich glaube fast es ist schwieriger, den zu bekommen als den Schweizer Pass. Als ich wie aufgefordert montags wieder antrabte durfte ich nälmich erneut warten (welch Überraschung!), weil die Polizisten grad Pause machten, und das machen sie da alle gemeinsam, weil’s sozialer ist. Diesmal lief sogar ein Fernseher im Wartesalon, und ich durfte ein wunderschönes Werbevideo über die Türkei anschauen, in dem eine britische Reporterin voller Entzückung Brot backte und den Grossen Bazar erkundete. Dann stürzten sich alle Ausländer auf die eintretenden Angestellten und drückten ihnen ihre Belege in die Hand, und wir warteten erneut gespannt, wie Name um Name aufgerufen wurde und wir eintreten konnten, um das kleine blaue Büchlein entgegen zu nehmen. Als sich die Schar aufgelöst hatte, hörte ich endlich von drinnen „Daniela!“, und bekam meinen Beleg zurück mit den Worten Hasler gibt’s nicht. Aha. Morgen wiederkommen. Aha. Ich hatte schon das Gefühl, dass sie meinen Namen falsch registriert hatten, wie das bei meiner Buskarte passiert war (kein Wunder, dass sie unter D nichts fanden, wenn sie mich als Zaniela eingetragen hatten!), aber was sollte ich schon tun – ich kam morgen wieder. Und wahrscheinlich hatte mein hässiges und vor allem müdes und frustiriertes Gesicht am Vortag Eindrücke hinterlassen und diesmal kam ich auch schwups dran, obwohl etwa 20 Pers vor mir ihren Fötzel eingereicht hatten. Ha!
Und das Beste daran: die Genehmigung ist gültig bis Oktober 2010. Vielleicht kann ich sie ja im Januar auf Ebay versteigern.
Freitag, 13. November 2009
Freitag der 13.
Zur Feier des Tages, hier noch ein paar Bilder von letzter Woche, als Marcela und ich (aka die Hausfrauen) uns dem Wasser-am-Boden-im-Bad-Problem annahmen.

1. Anlauf: nicht so gut.


2. Anlauf, mit daha iyi silikon und avancierter Belichtungstechnik, so hat's dann geklappt.
P.S.: Den Spruch vom Freitag den 13. als Unglückstag kennen sie hier übrigens nicht.

1. Anlauf: nicht so gut.


2. Anlauf, mit daha iyi silikon und avancierter Belichtungstechnik, so hat's dann geklappt.
P.S.: Den Spruch vom Freitag den 13. als Unglückstag kennen sie hier übrigens nicht.
Yabancı!
Hier ist vieles wie in einem Bilderbuch: überall Moscheen, überall Döner/Iskender/Köfte-Stände, die Häuser sind eng neben- und aufeinander, und besetzt mit unzähligen Satellitenschüsseln und Klimaanlagen, überall lustig lachende Bazarverkäufer und Männer mit Schnäutzen, die vor ihren Supermärkten sitzen, Tee trinkend. Später ist es dann Rakı, dazu eine Nargile, und die Frauen tanzen Bauch zu live Darbukasounds.
Aber das alles findet seine Krönung an einem Ort ein wenig ausserhalb der Hauptattraktionen: im Ausländeramt. Dieses ist in real so klischeehaft, wie kein noch so reisserischer Dokumentarfilm es darstellen könnte.
Vor dem Eingang stehen ca 5 Polizisten mit grossen Gewehren, sie bewachen lässig die zwei Eingänge und weisen die Leute durch die Drehtür. Niemand spricht englisch und der Typ am Ampfang fragt, welches Land das denn sei, während er meinen Pass studiert.
Dann steht man im Hof vor einer riesigen Fensterfront im 70er-Jahre-Stil. Von innen ist es nicht weniger gleich der Vorstellung, die man davon hat: beiger Marmor, grobe Treppe, niedirge Decken, alles kahl, das Licht wie in der Bahnhofstoilette. Hinter dem langen Desk ein spärlich beleuchtetes dafür leicht überbevölkertes Aquarium. Überall Polizisten, die entweder genervt herumsitzen, geschäftig herumgehen oder sich fachmännisch durchs gegeelte Haar fahren, und vor allem: Ausländer. Sie sitzen, lehnen, quetschen sich neben- und hintereinander, afroamerikanische Jugendliche, Männer mit balkanischen Gesichtern, und Heerschaaren von Kopftuchträgerinnen.
Nach meinem ersten Versuch heute Morgen bin ich wieder hier. Eigentlich hätte ich ja um 11.45 Uhr einen Termin gehabt, aber ich werde belehrt, dass alle Studenten um 16 Uhr wiederkommen sollen. Und so traf ich um 15.30 Uhr erneut in Block A, 1. Stock, und stelle mich hinter die anderen. Wir stehen in einer Schlange, die um die Ecke durch den „Wartesalon“ geht (ein ebenso hässlicher wie schmaler Gang, der feuertechnisch zu 100% nicht zulässig ist), und – warten.
Neben mir sitzt eine alte Frau, ein ein Buch liest mit dem Titel „The Invasion of the Jews“, und ich bin so erschreckt, dass ich gar nicht recht weiss, wo ich anfangen soll, meinen Schock anzusetzen: ist es, weil genau diese Frau, so harmlos sie auch aussieht, so ein Buch liest? Ist es, weil sie es gerade hier tut, im Ausländeramt, wo doch der eine oder andere Jude sein könnte? Oder ist es ganz einfach, weil es solche Bücher gibt? Zum Glück blicke ich nochmals hin und erkenne, dass es eigentlich „The Invention of the Jews“ heisst, und ich bin erleichtert.
Ausserdem bin ich auch endlich (nach einer geschlagenen Stunde) am vorderen Ende der Warteschlange angekommen, und ich kann endlich mein Nümmerli entgegennehmen, das mir den ersehnten Platz an einem Schalter sichert. Aber vorerst lieber wieder raus hier, immerhin bedienen sie gerade einmal 209, ich bin 397.
Ich setze mich also in die Cafeteria und bin ziemlich glücklich, in der Türkei zu sein, denn so kostet der Tee auch hier bloss 50 Kuruş (ca 30 Rappen). Ich sitze und stricke, plaudere mit dem Tischabwischer und kriege Schockolade geschenkt von einem Polizisten (Sorte Haarfachmann), bis ich das Gefühl habe, mich lieber wieder nach drinnen zu begeben und die Nummern im Auge zu behalten.
Mittlerweile hat sich die Ansammlung aufgelöst und es gibt sogar freie Stühle. Hier sitzen ist allerdings mühsamer als draussen, weil einem klar wird, wie endlos selten das DingDong beim Nummernwechsel erklingt. Bis es plötzlich nicht mehr aufhört, 10 Nummern, 20 Nummern, das nervt noch mehr, wie eine Klingel, macht doch endlich die verdammte Tür auf! Dabei klingen hier die Türklingeln ganz ander, wie Vogelgezwitscher. Ich bin ziemlich dankbar, dass sie dieses Geräusch hier nicht verwenden, das wäre ja zum verrückt werden.
Dankbar bin ich auch, als endlichendlich 397 aufleuchtet, und ich mich in das kleine Zimmer mit Schaltern und vielen Leuten quetschen darf. Ich gebe alle meine Papiere, erhalte Stempel, werde zum Warten für den nächsten Schalter angewiesen, und von da wieder zurück auf die andere Seite. Alles wird kontrolliert, unterschrieben, alles gut, nur ein kleines Problem: ich bräuchte das Residency Permit-Büchlein, welches ich leider nicht habe, da mir niemand davon erzählt hat. Und weil es schon 20.30 Uhr ist, kann ich es auch nicht mehr kaufen.
Also komme ich am nächsten Morgen wieder mit meinen gehefteten und verifizierten Blättern und kämpfe mich durch die Massen zum grossen Desk, wo sie mir den Schalter zeigen, an dem ich 135 Lira bezahle (huere Wucher!) und mich zum nächsten schieben lasse. Ich sehe zu, wie die Frau mein Papier zerschneidet, schliesslich drückt sie mir zwei Fötzel in die Hand und sagt: am Montag wiederkommen. Gleich ins Büro Buschkschrmftschlgnamalöksch gehen. Netterweise zeigt mir eine Leidensgenossin das Büro Buschkschrmftschlgnamalöksch (gleich hinten rum neben der Schlange um die Ecke und dann zweimal links), und ich schreite wieder raus aus dem Zentrum, und frage mich, ob sie meinen Visumsantrag jetzt im Computer haben, oder ob ich noch auf die Variante Autostopp zur bosnischen Grenze und zurück wechseln könnte.
Montag, Montang – inşallah!
Aber das alles findet seine Krönung an einem Ort ein wenig ausserhalb der Hauptattraktionen: im Ausländeramt. Dieses ist in real so klischeehaft, wie kein noch so reisserischer Dokumentarfilm es darstellen könnte.
Vor dem Eingang stehen ca 5 Polizisten mit grossen Gewehren, sie bewachen lässig die zwei Eingänge und weisen die Leute durch die Drehtür. Niemand spricht englisch und der Typ am Ampfang fragt, welches Land das denn sei, während er meinen Pass studiert.
Dann steht man im Hof vor einer riesigen Fensterfront im 70er-Jahre-Stil. Von innen ist es nicht weniger gleich der Vorstellung, die man davon hat: beiger Marmor, grobe Treppe, niedirge Decken, alles kahl, das Licht wie in der Bahnhofstoilette. Hinter dem langen Desk ein spärlich beleuchtetes dafür leicht überbevölkertes Aquarium. Überall Polizisten, die entweder genervt herumsitzen, geschäftig herumgehen oder sich fachmännisch durchs gegeelte Haar fahren, und vor allem: Ausländer. Sie sitzen, lehnen, quetschen sich neben- und hintereinander, afroamerikanische Jugendliche, Männer mit balkanischen Gesichtern, und Heerschaaren von Kopftuchträgerinnen.
Nach meinem ersten Versuch heute Morgen bin ich wieder hier. Eigentlich hätte ich ja um 11.45 Uhr einen Termin gehabt, aber ich werde belehrt, dass alle Studenten um 16 Uhr wiederkommen sollen. Und so traf ich um 15.30 Uhr erneut in Block A, 1. Stock, und stelle mich hinter die anderen. Wir stehen in einer Schlange, die um die Ecke durch den „Wartesalon“ geht (ein ebenso hässlicher wie schmaler Gang, der feuertechnisch zu 100% nicht zulässig ist), und – warten.
Neben mir sitzt eine alte Frau, ein ein Buch liest mit dem Titel „The Invasion of the Jews“, und ich bin so erschreckt, dass ich gar nicht recht weiss, wo ich anfangen soll, meinen Schock anzusetzen: ist es, weil genau diese Frau, so harmlos sie auch aussieht, so ein Buch liest? Ist es, weil sie es gerade hier tut, im Ausländeramt, wo doch der eine oder andere Jude sein könnte? Oder ist es ganz einfach, weil es solche Bücher gibt? Zum Glück blicke ich nochmals hin und erkenne, dass es eigentlich „The Invention of the Jews“ heisst, und ich bin erleichtert.
Ausserdem bin ich auch endlich (nach einer geschlagenen Stunde) am vorderen Ende der Warteschlange angekommen, und ich kann endlich mein Nümmerli entgegennehmen, das mir den ersehnten Platz an einem Schalter sichert. Aber vorerst lieber wieder raus hier, immerhin bedienen sie gerade einmal 209, ich bin 397.
Ich setze mich also in die Cafeteria und bin ziemlich glücklich, in der Türkei zu sein, denn so kostet der Tee auch hier bloss 50 Kuruş (ca 30 Rappen). Ich sitze und stricke, plaudere mit dem Tischabwischer und kriege Schockolade geschenkt von einem Polizisten (Sorte Haarfachmann), bis ich das Gefühl habe, mich lieber wieder nach drinnen zu begeben und die Nummern im Auge zu behalten.
Mittlerweile hat sich die Ansammlung aufgelöst und es gibt sogar freie Stühle. Hier sitzen ist allerdings mühsamer als draussen, weil einem klar wird, wie endlos selten das DingDong beim Nummernwechsel erklingt. Bis es plötzlich nicht mehr aufhört, 10 Nummern, 20 Nummern, das nervt noch mehr, wie eine Klingel, macht doch endlich die verdammte Tür auf! Dabei klingen hier die Türklingeln ganz ander, wie Vogelgezwitscher. Ich bin ziemlich dankbar, dass sie dieses Geräusch hier nicht verwenden, das wäre ja zum verrückt werden.
Dankbar bin ich auch, als endlichendlich 397 aufleuchtet, und ich mich in das kleine Zimmer mit Schaltern und vielen Leuten quetschen darf. Ich gebe alle meine Papiere, erhalte Stempel, werde zum Warten für den nächsten Schalter angewiesen, und von da wieder zurück auf die andere Seite. Alles wird kontrolliert, unterschrieben, alles gut, nur ein kleines Problem: ich bräuchte das Residency Permit-Büchlein, welches ich leider nicht habe, da mir niemand davon erzählt hat. Und weil es schon 20.30 Uhr ist, kann ich es auch nicht mehr kaufen.
Also komme ich am nächsten Morgen wieder mit meinen gehefteten und verifizierten Blättern und kämpfe mich durch die Massen zum grossen Desk, wo sie mir den Schalter zeigen, an dem ich 135 Lira bezahle (huere Wucher!) und mich zum nächsten schieben lasse. Ich sehe zu, wie die Frau mein Papier zerschneidet, schliesslich drückt sie mir zwei Fötzel in die Hand und sagt: am Montag wiederkommen. Gleich ins Büro Buschkschrmftschlgnamalöksch gehen. Netterweise zeigt mir eine Leidensgenossin das Büro Buschkschrmftschlgnamalöksch (gleich hinten rum neben der Schlange um die Ecke und dann zweimal links), und ich schreite wieder raus aus dem Zentrum, und frage mich, ob sie meinen Visumsantrag jetzt im Computer haben, oder ob ich noch auf die Variante Autostopp zur bosnischen Grenze und zurück wechseln könnte.
Montag, Montang – inşallah!
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