Ob er gerne Crème und Zucker hätte, hat meine Kollegin den Gast gefragt, und er hat geantwortet: "Schwarz! Das soll ja bekanntlich schön machen." Ich stand mit dem Rücken zu ihm und habe gesagt: "Kalt. Kalter Kaffe soll schön machen, nicht schwarzer. Regen und kalter Kaffe." Sprüche bezüglich sonniger Kindheit oder "Aber aufpassen, dass es nicht kitschig wird!" habe ich mir verkniffen. Obwohl's mir auf der Zunge gelegen hätte.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Wegsein und Weggehen


Ich erinnere mich daran, wie ich letzen Sommer, vor meiner Abreise, gedacht hatte: Du gehst nach Istanbul, und dann wirst du wahrscheinlich auch ein wenig herumreisen, so am Wochenende.
Dann bin ich hergekommen, und das Fernste, wohin ich gereist bin, sind die Prinzeninseln eine Stunde Bootsfahrt vom Zentrum. Istanbul nimmt dich und lässt dich nicht mehr gehen, so fühlt es sich an. Es gibt sicherlich eine Menge toller Orte in der Türkei, aber wieso da hingehen, wenn man in Istanbul sein kann?
Aber ein wenig ein schlechtes Gewissen hatte ich schon, und so kam es, dass wir beschlossen, vor all den Polizisten zu flüchten* und für ein paar Tage das Weite zu suchen.
Wir warfen dann den Plan Canakkale/Troja – Izmir/Efesos spontan über den Haufen und brachen Richtung Ankara auf. Wenn schon denn schon.


In der Türkei reisen ist ziemlich einfach. Manchmal gibt es Züge, aber die sind angeblich ziemlich langsam und nicht so toll. Dann gibt es Busse, hierbei kann man zwischen unzähligen Unternehmen auswählen, sind alle etwa ähnlich gut. Im Preis inklusive sind:

- Fahrt von A nach B
- Shuttlebus vom Busbahnhof in B zum Zentrum
- immer wieder: gruusige Guezli
- Getränke
- Stopps in Busbahnhöfen, um neue Gäste eizuladen (und aufs Klo zu rennen, aber jemand sollte beim Bus bleiben und sicherstellen, dass er nicht abfährt)
- ein Halt im unternehmenseigenen Restaurant (bei langen Fahrten)
- immer wieder: Feuchttüchlis

Und, so haben wir das gemacht, es gibt die Variante Autostopp. Obwohl uns alle gross anschauten, als wir davon erzählten, und fragten, wo wir denn starten könnten. Die Antwort fiel in den meisten Fällen etwa so aus: Tut das nicht! Das ist gefährlich! Nein! Ich sage dir nicht, wo ihr starten könnt, es ist zu schlimm, ich meine in Deutschland ist es vielleicht unangenehm, aber HIER, das ist was GANZ ANDERES!! Auch wenn ihr 100 Frauen wärt – viiiiiel zu gefährlich! Und dann erzählen sie die Geschichte von der Italienerin, die von Istanbul nach Ankara trampte und ermordet wurde.
Nun ja, wahrscheinlich haben sie Recht und man muss aufpassen, aber so klug waren wir zuvor schon. Und nach 3 Wochen Otostopp kann ich sagen: wenn man ein wenig sensibel ist, passiert nichts als gute Dinge. Die hier einbegriffenen Services sind:

- Fahrt von A nach B
- in B wird man zur Haustüre/zum gewünschten Ort gebracht
- Zigis (ausnahmslos immer)
- Getränke
- Stopps für Fotos oder Abstecher zu besonderen Orten am Weg
- Essen, spätestens an der nächsten Tankstelle (manchmal sogar im fahrereigenen Haus)
- eine Visitenkarte des Fahrers mit der Bitte, anzurufen, wenn etwas nicht klappen sollte / man generell Probleme hat / es gewährlich wird usw.

Obwohl ich Feuchttüchlis sehr gern habe legten wir die meisten Strecken per Hichhiking zurück, aber aufgrund von Punkt 5 und 6 wurde es manchmal etwas spät, un da wir nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr Stöpplen wollten, waren wir ein paar Mal dazu gezwungen, für die letzte Strecke auf die Busse umzusteigen, was aber auch ging, da wir dann einfacher die Preise runterfeilschen konnten (wer will schon 3 arme Studis in der Nacht draussen stehen lassen!).
Unserer Erfahrung nach sind die Türken also ein wahrlich gastfreundliches, liebenswürdiges Volk. Ich glaube, in der Schweiz zu stöpplen wäre gefährlicher, weil man wahrscheinlich erfroren ist bis endlich jemand anhält, und der will einen dann doch nicht ins frisch gestaubsaugte Auto lassen. Oder vielleicht täusche ich mich auch, genau so wie sich die Türken vor ihren eigenen Landsgenossen fürchten. Wenn ich heim komme, werde ich das bei Gelegenheit überprüfen.







* die Einbruchsgeschichte hatte nämlich nicht aufgehört, Fortsetzungen à la Jela muss allein mit dem nur türkischsprachigen Polizisten reden weil Efsun weg ist, eine lustige Episode für sich, die ich evtl später mal