Ein Mann liegt da, auf seinem Badetuch, und liest. Reglos, da er so weit weg ist.
Der Traktor mit der Sandputzmaschine kommt näher. Zielt auf den Liegenden. Elends langsam, weil er so weit weg ist.
Ein Vater mit seinen zwei Söhnen paddelt herum, auf seinem blauen Surfbrett. Die Jungen haben deren gelb und rote. Der Vater schickt sie an den Strand, setzt sich im ruhigen Wasser auf sein Brett und zählt laut von drei bis eins, dann pfeifft er. Der Bub mit gelb, der grössere, rennt ins Wasser, wirft sein Brett und paddelt los. Umrundet den Vater, paddelt zurück. Der Kleine schleppt sein Brett, wirft es, es dreht sich, er dreht es, springt auf, die einzige Welle seit Minuten erfasst ihn und wirft ihn zurück, er paddelt, doch seine Arme erreichen das Wasser kaum; die Oberarme liegen seitlich ausgestreckt auf dem Brett, er paddelt aus den Ellenbogen, und bevor er beim Vater ist, hat sein Bruder bereits den Strand erreicht und keucht voller Stolz.
Währenddessen hat sich er Traktor dem Lesenden soweit genähert, dass es spannend wird: einer der beiden muss nachgeben. Es ist der Traktor, der minim vom Kurs abweicht, es scheinen bloss Milimeter zu sein, weil er so weit weg ist, und der Lesende rührt sich noch immer nicht. Wäre er nicht auf seinen Ellenbogen aufgestützt, würde ich hingehen und nachschauen, ob er nicht tot ist, und ich bin ganz froh darüber, dass der Traktor ihm so nahe kommt, der Fahrer würde ja auch etwas merken.
Ein Hund springt ins Wasser, wieder raus, ins Wasser, raus, bellt ein älteres Ehepaar an, buddelt. Ich frage mich, ob das ältere Ehepaar schon lange Ehepaar ist, oder ob seine Menschen das einzig ältere sind daran. Und ob es überhaupt ein Ehepaar ist, ich kann keine Ringe erkennen, denn sie sind so weit weg, und auch Eheringe würden nicht bedeuten, dass der Bund zwischen ihnen beiden geschlossen wurde.
Der Hund hechelt ihnen hinterher, und sie gehen an den Surfbrettern der kleinen Familie vorbei, bei der ich auch nicht weiss, dass sie verwandt sind. Um Ähnlichkeiten zu erkennen müsste ich näher heran gehen, und auch wenn ich solche gefunden hätte, wäre das kein Beweis, auch fragen würde nichts beweisen, das Familenbüchlein wäre am stichfestesten. Und doch, auch ohne Beweis, bin ich mir sicher, dass sie eine Familie sind. Und ich kann mir vorstellen, dass unsere Familie genau so ausgesehen hätte, wenn meine Schwester und ich Jungen wären, und wir an einem Ort mit Strand aufgewachsen wären. Dann könnten es sogar wir sein, auch als Mädchen. Aber wir sind nicht hier aufgewachsen und haben keine Wettpaddeln veranstaltet, morgens um halb acht, und wenn ich es mir recht überlege, hätten wir uns so oder so nicht um diese Uhrzeit etwas derartigem gewidmet, und das ist auch gut so.
Ob er gerne Crème und Zucker hätte, hat meine Kollegin den Gast gefragt, und er hat geantwortet: "Schwarz! Das soll ja bekanntlich schön machen." Ich stand mit dem Rücken zu ihm und habe gesagt: "Kalt. Kalter Kaffe soll schön machen, nicht schwarzer. Regen und kalter Kaffe." Sprüche bezüglich sonniger Kindheit oder "Aber aufpassen, dass es nicht kitschig wird!" habe ich mir verkniffen. Obwohl's mir auf der Zunge gelegen hätte.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen