Ob er gerne Crème und Zucker hätte, hat meine Kollegin den Gast gefragt, und er hat geantwortet: "Schwarz! Das soll ja bekanntlich schön machen." Ich stand mit dem Rücken zu ihm und habe gesagt: "Kalt. Kalter Kaffe soll schön machen, nicht schwarzer. Regen und kalter Kaffe." Sprüche bezüglich sonniger Kindheit oder "Aber aufpassen, dass es nicht kitschig wird!" habe ich mir verkniffen. Obwohl's mir auf der Zunge gelegen hätte.

Samstag, 21. November 2009

Jela und die Polizei – erneut

Es war ein ganz normaler Abend, als ich letzten Donnerstag um halb 10 in die für einmal leere Wohnung nach Hause kam. Ich war sehr müde und legte mich für eine halbe Stunde hin, dann rief mich Marcela an und ich machte mich parat, sie auf einen çay zu treffen. Alles ganz normal, bis ich etwas Geld aus meiner Reserve nehmen wollte und festestellen musste, dass kein Geld da war. Etwas verwirrt schaute ich um mich und bemerkte, dass das Zimmer doch zugegebener Massen unordentlicher war als normal. Es war ein ziemliches Puff. Ich ging ins Wohnzimmer und erblickte aufgerissene Schubladen.

Um ca halb 12 Uhr kam dann ein adretter Polizist, der sich die Geschichte anhörte, nickte, nickte, meine Mitbewohnerin fragte, wieso sie ihr Geld denn nicht zur Bank gebracht hätte, von seiner Frau im Osten des Landes erzählte und uns einen Zettel da liess, der ziemlich schlecht kopiert dafür schön unterschrieben war. Dann ging er wieder, mit der Anordnung an uns, nichts anzufassen.

Eine Stunde später traf die Spurensicherung ein, drei weniger hübsche Männer dafür ohne Uniform, die sich Plastik über ihre Schuhe stülpten und fachmännisch in der Wohnung herumstanden. Nach erneuter Schilderung der Situation und Erklärungen, wer die zwei Ausländerinnen denn seien*, packte einer von ihnen auch seinen Koffer aus und pinselte schwarzes Puder an den Fensterrahmen. Leider war er nicht ganz so gut wie CSI Las Vegas und so fanden er auch keine Abdrücke, nachdem ich dreimal meinen Daumen auf verschiedene Stellen gepresst hatte, dafür bewunderte er meine aufgehängten Fotografien und erzählte mir etwa drei Mal, dass er seit Kurzem englisch lerne.


Efsun fuhr dann mit auf’s Revier, und weil sie ja so nett sind, chauffierten sie sie auch wieder nach Hause, und der Boss war sogar so aufmerksam, sie bis zur Wohnungstür zu begleiten. Dort allerdings bat er darum, mit mir sprechen zu dürfen, und er ging voraus in mein Zimmer, schloss die Türe, und fragte mich im Flüsterton, ob wir vielleicht Freunde sein könnten. Das Ganze erschien mir so absurd, dass ich mir das Lachen kaum verkneifen konnte, und ich entschied mich dafür, ihn verstandnislos anzublicken (fiel mir nicht so schwer), und lächelnd-zweifelnd-fragend den Kopf zu schütteln. Manchmal frage ich mich ja schon ein wenig, was eigentlich los ist mit den Männern hier.

Zumindest haben wir jetzt einen wunderschönen Rapport, in dem Marcela und ich vertauscht sind, was aber auch nichts macht, denn wir sind nicht einmal mit Nachnamen oder Nationalität aufgeführt, und im Falle weiterer kriminellen Zwischenfälle haben wir auch gleich die Natelnummern der Profis. Wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob ich dann genau diese Herren anrufen möchte.




* sehr gerne wollte ich ihnen meine Residency Permit zeigen, aber leider haben sie nicht danach gefragt, was vielleicht auch gut war, denn ich habe festgestellt, dass darin meine Adresse falsch gedruckt ist, und ich es eigentlich nicht darauf ankommen lassen möchte, deswegen einen Änderungsantrag stellen zu müssen.

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