Heute, beim Joggen, habe ich ganz viele Leute getroffen. Es war halt schönes Wetter und ein Frühing und die Gegend ist auch ganz schön, und draussen sein soll doch gut tun, deshlab waren die wohl da. Nicht wegen mir. Ich habe die auch nicht gekannt, was mir ganz recht war.
Eigentlich möchte ich beim Joggen meist niemanden treffen, weil dann muss man immer "Grüezi" keuchen und die anderen sagen auch "Grüezi", und manchmal machen sie lustige Bemerkungen wie "Nur noch eine halbe Stunde." oder "Super! Gesund!", und dann muss ich lachen, also nicht weil ich es lustig finden würde, sondern weil es sehr unfreundlich wäre, regungslos weiterzurennen. Ein freundliches Zusammenleben, dem möchte ich ja nicht entgegenwirken. Und es irritiert mich dann auch, wenn mir plötzlich ein mürrisches Paar entgegenkommt, die nicht mal grüssen, das regt mich noch mehr auf als all die netten Leute, weil mit ihrer schlechten Laune könnten sie grad zu Hause bleiben, finde ich. Diese Regung erschreckt mich dann selber ein wenig.
Aber bevor ich mehr darüber nachdenken kann treffe ich schon auf die nächste glückliche Familie, die mit Sonnenbrille und Velohelm mir entgegen radet und mich dazu zwingt, mich darauf zu konzentrieren, nicht in den Fluss zu fallen, anstatt meine ignoranzliebende Haltung zu überdenken. Bei besagten Familien gibt es zwei Sorten: Die guten, bei denen der Vater wegebnend vorauskurft, dicht gefolgt vom süssen Bub; kleiner Abstand, dann folgt das hübsche Mädchen, welches zu den Enten blickt oder den Schmetterlingen, dahinter die Mutter, die sonst wahrscheinlich Yoga macht und einen 50%-Job hat. Und dann gibt es die weniger guten, bei denen der Vater gerade anhält und genervt auf den Rest wartet; der Bub und das Mädchen treten hart in die Pedalen und studieren den Boden, hinter ihnen die verschwitzte Mutter.
Durchbrochen wird dieses Muster immer wieder von Spaziergängern, welche weniger oft im Familienverband auftreten, dafür umso öfters mit Hund. Junge Paare, alte Paare, Freunde, Einzelne, Mutter mit Kind, zwei Mütter mit vier Kindern, zwei Frauen mit einem Mann. Meist mit schwarzem Labrador, aber auch Schäfer, Spitz, Strassenmischungen und alles andere sind vertreten. Hierbei besonders interessant: Leute mit mehreren Hunden. Die sind nämlich meist unterschiedlicher Rasse, oftmals sehr unterschiedlich, heute zum Beispiel begegnete mir ein mittelalterlicher Mann mit Beagle und Windhund. Da frage ich mich ein wenig, wie man denn hier analysieren könnte, wenn man behauptet, Hund und Herrchen seien sich meist ähnlich.
-Wieso auch immer, beim Anblick dieser Leute verspüre ich den Wunsch, auch mit Hund unterwegs zu sein. Nicht, um ein Zugehörigkeitsgefühl zu genereieren, im Gegenteil; vielleicht, weil die Leute dann den Hund anschauen würden, und nicht mich. Der würde dann auch das Grüssen für mich übernehmen. Oder wir würden uns gleichen, wer weiss.
Ob er gerne Crème und Zucker hätte, hat meine Kollegin den Gast gefragt, und er hat geantwortet: "Schwarz! Das soll ja bekanntlich schön machen." Ich stand mit dem Rücken zu ihm und habe gesagt: "Kalt. Kalter Kaffe soll schön machen, nicht schwarzer. Regen und kalter Kaffe." Sprüche bezüglich sonniger Kindheit oder "Aber aufpassen, dass es nicht kitschig wird!" habe ich mir verkniffen. Obwohl's mir auf der Zunge gelegen hätte.
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Vielleicht haben die menschen mit mehreren hunden einen auslassservice. Ausgezeichneter job, das. man darf den ganzen tag im park laufen und leute analysieren. Vielleicht hat sich der mann mit dem beagle und dem windhund heute gedacht: hmmmm, ein mädchen dass keuchend und schwitzend alle menschen mustert......die schreibt heute abend bestimmt einen blogpost über dieses thema.
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