Ob er gerne Crème und Zucker hätte, hat meine Kollegin den Gast gefragt, und er hat geantwortet: "Schwarz! Das soll ja bekanntlich schön machen." Ich stand mit dem Rücken zu ihm und habe gesagt: "Kalt. Kalter Kaffe soll schön machen, nicht schwarzer. Regen und kalter Kaffe." Sprüche bezüglich sonniger Kindheit oder "Aber aufpassen, dass es nicht kitschig wird!" habe ich mir verkniffen. Obwohl's mir auf der Zunge gelegen hätte.

Montag, 26. Oktober 2009

Internet machen in Istanbul die 2te

Nun denn. Wie vorhin erwähnt hatten meine Mitbewohnerin und ich schon einige Male Kontakt mit der Internetgesellschaft gehabt, und das ging dann auch weiter. Zumindest eine Weile. Es funktionierte nämlich –oh Wunder!- schon am nächsten Tag nicht mehr, und ich rief an und die füllten den besagten Fehlerreport aus und wollten mich zurückrufen. Das taten sie auch, allerdings nach 7 Stunden, als ich in einer Bar sass und nicht vor meinem Computer, wie ich das als brave Kundin hätte tun sollen. Also Problem Problem als ich am nächsten Morgen anrief hiess es, sie müssen die Leitung 2 Tage sperren da sie mich am Abend zuvor nicht hatten erreichen können. Es gäbe ein Problem, blablabla. Nach zwei Tagen rief ich an, jaja, jetzt öffnen sie wieder, und ich müsse am Computer bleiben, bei Problemen rufen sie an.
Taten sie auch, diesmal bloss 2 Stunden später, allerdings sprach die Frau nur Türkisch und konnte uns auch nicht helfen. Sie erklärte Efsun, die per Zufall da war, dass das Problem nich an ihr sondern an unserer Leitung liege, evtl an den Grundleitungen zum Haus, sie wisse nicht, wir sollen den Elektriker rufen.
Leider leider versprach mir das meine Mitbewohnerin immer wieder aber sie tat es nicht, und heute habe ich mithilfe ihres Vaters versucht, das Telefonkabel zu reparieren. Er habe mit Internet gearbeitet, hat er mir erklärt, und hat fachmännisch das läppisch zusammengeklebte Kabel aufgemacht, und gemeinsam haben wir die kleinen Kupferdrähte verdreht. Leider hat der Stecker nur Anschluss für 2 Drähte und das Kabel aus der Wand eigentlich 5, und die Farben sind nicht 100%ig identifizier- und gleichstellbar, was die Sache ein wenig verzwickt. Aber mit dem Profi zur Seite kann doch nichts schiefgehen!
Es gab keinen Elektroschok, es floss kein Blut, alle blieben unversehrt und wir hatten auch hinterher kein Internet. Alles beim Alten, nur dass der weisse Kabelkitt jetzt wieder frisch und sauber leuchtet. Vielleicht gebe ich demnächst auf.
Der Mann im Internetcafé kennt mich ja schon und ich glaube, ich bin ihm sympatisch. Einmal hat er mich sogar einem anderen Kunden vorgezogen, weil alle Compis besetzt waren, oder er hat mich an seinen gelassen. Ein bärtiger lieber Türke, sehr untypisch, sehr ruhig und mit einem Hundeblick. Die Auswahl an Internetcafés ist hier sehr gross, aber ich mag ihn auch und deshalb gehe ich fast immer dahin (ausserdem ist es das naheliegendste). Und heute ist er mir über den Weg gelaufen, und ich habe ihn angekuckt und gedacht „Den kenne ich! Den kenne ich! Den kenne ich!!! –Woher nur?“, und erst 5 Schritte später ist mir eingefallen, woher. Das war wie an der Vernissage an der ZHdK, wo mir ein Typ auf der Treppe entgegenkommt, und ich weiss, ich kenne ihn, ich habe sogar das Gefühl, ich kenne ihn sehr gut, nur weiss ich nicht mehr woher. Es war der Italiener, bei dem ich Kaffee hole, Marco heisst er, und ich habe ihm schon einmal eine Rose geschenkt. Fiel mir dann noch ein, in dem Moment wo er Hallo sagt.
Ist mir hier übrigens grad vor Kurzem schon einmal passiert, ich war unterwegs zum Türkischkurs, ich war spät dran, und dann passiert mich ein Mann mit umgehängten Kind, wir schauen und an und gehen beide zügig weiter, und drehen uns um und er ruft „Jela!“ und ich „Enrique!“, und beide haben wir einen Moment gebraucht, um uns sicher zu sein. Man glaubt es eben kaum, denn die Stadt ist riesig, und trotzdem bin ich schon mehrere Male per Zufall Leuten begegnet, die ich kenne, z.B. dieses Wochenende im Ausgang, wo ein Typ aus meiner Klasse mich anhaut und ungläubig fragt, woher ich denn den tollsten Club der Stadt kennen würde.
Schlussendlich ist auch Istanbul ein wenig ein Dorf. Aber nur ein ganz klein wenig.


P.S.: Vor 14 Tagen habe ich mich übrigens dazu durchgerungen, mich beim Ausländeramt um einen Termin zu bemühen. Internetformular, das man gleich ausdrucken muss (farbig! –ebenfalls eine längere Geschichte), und ich habe den nächstmöglichen Termin gewählt. Es ist der 12. November.

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